Wohnst du noch oder managst du schon? Wenn die Ordnung nur in deinem Kopf existiert.
Ich bin Lisa, 36 und lebe mit meinem Mann (44), unserer neunjährigen Tochter und unserem fast zweijährigen Labradorrüden in einer 3-Zimmer-Wohnung. Und wenn ich ehrlich bin: Ich bin nicht nur die Mutter und Ehefrau in diesem Haushalt – ich bin die inoffizielle CEO der Abteilung „Struktur & Sauberkeit“.
Kennt ihr das? Diesen Moment, wenn man den Flur betritt und das Gefühl hat, man ist die einzige Person im Haus, die über Sehnerv-Verbindungen zum Gehirn verfügt?
Die unsichtbare Brille der „Default-Mom“
Bei uns zu Hause herrscht eine faszinierende Dynamik. Ich nenne es die selektive Blindheit.
Ich sehe: Den Schlammabdruck vom Hund auf dem Parkett, der gleich antrocknet.
Mein Mann sieht: Einen Boden. (Man kann darauf laufen, also ist er funktional.)
Ich sehe: Den Wäscheberg im Kinderzimmer, der langsam ein Eigenleben entwickelt.
Meine Tochter sieht: Einen bequemen alternativen Sitzsack aus Textilien.
Es ist dieses Gefühl, ständig die „Antreiberin“ sein zu müssen. Ich wasche nicht einfach nur – ich muss den Waschgang ausrufen wie eine Bahnhofsdurchsage: „Achtung an alle Zimmer: Der Intercity Richtung Waschmaschine fährt in 10 Minuten ab! Letzte Chance für Socken und Sportzeug!“
Das Gesetz der leeren Fläche (und warum mein Mann es bricht)
Kennt ihr das „Vakuum-Prinzip“? Ich investiere Zeit und Energie, um eine Kommode oder den Küchentisch endlich mal komplett freizuräumen. Ich atme tief durch, genieße die Leere für genau drei Sekunden… und dann passiert es.
Mein Mann kommt rein. Er hat „Krempel“ dabei. Schlüssel, Post, ein Gadget, das repariert werden muss. Und wie durch einen magnetischen Zauber landet es genau dort, wo gerade noch Ordnung war. Es ist, als würde eine freie Fläche in unserer Wohnung ein Schild tragen: „Bitte hier alles abladen, was keinen festen Platz hat.“
Warum uns das so müde macht
Es ist nicht die eine Socke oder der eine Schlüsselbund. Es ist die Summe der Entscheidungen.
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Erkennen: Hier liegt was.
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Bewerten: Gehört das hierhin? (Nein.)
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Entscheiden: Wohin gehört es wirklich?
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Handeln: Wegräumen.
Wenn man diese Kette für drei weitere Personen (Hund inklusive!) den ganzen Tag im Kopf durchspielt, ist man am Abend mental erschöpft, noch bevor man überhaupt physisch etwas getan hat. Das ist der wahre Mental Load. Und wenn man dann auch noch sieht, dass die freigeräumten Flächen sofort wieder mit Krempel belagert werden, fühlt man sich einfach nur noch ohnmächtig.
Vom Resignieren zum Wieder Wohlfühlen (oder zumindest Akzeptieren)
Ich gebe zu: Ich habe aufgegeben. Ich bekomme einfach keine Ordnung und Struktur mehr in unsere Wohnung. Ich habe aufgehört, gegen das Chaos anzukämpfen. Stattdessen versuche ich jetzt, andere Wege zu finden, um mich in meinem eigenen Zuhause wieder wohlzufühlen.
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Die „Radikale Akzeptanz“: Ich akzeptiere, dass unsere Wohnung (zumindest vorerst) nicht so ordentlich sein wird, wie ich es mir wünsche. Ich konzentriere mich darauf, mich in den Dingen wohlzufühlen, die ich beeinflussen kann – wie z.B. eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, auch wenn nicht alles an seinem Platz ist.
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Kleine „Wohlfühl-Inseln“: Ich schaffe mir kleine Ecken in der Wohnung, die mir gut tun. Das kann eine schöne Decke auf dem Sofa sein, eine Duftkerze auf dem Nachttisch oder ein paar frische Blumen. Diese kleinen Dinge helfen mir, mich kurzzeitig vom Chaos abzulenken und ein bisschen Ruhe zu finden.
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Die „Draußen-Oasen“: Wenn mir das Chaos zu viel wird, gehe ich raus. Ein Spaziergang mit dem Hund, ein Kaffee in meinem Lieblingscafé oder einfach nur frische Luft schnappen – das hilft mir, meinen Kopf freizubekommen und das Chaos zu Hause für einen Moment zu vergessen.
Ich lade keine Freunde mehr zu uns ein, weil ich mich schäme. Aber ich versuche, mir das nicht mehr vorzuwerfen. Es ist einfach eine Phase. Und vielleicht wird es irgendwann besser. Aber bis dahin versuche ich, das Beste aus der Situation zu machen – auch wenn das Chaos bleibt.
Wie ist das bei euch? Seid ihr auch die Einzigen, die das Chaos sehen, bevor es überhandnimmt? Schreibt mir mal euren „Lieblingsplatz“, an dem euer Partner seinen Krempel immer ablädt – ich wette, ich bin nicht allein!
