Selbstfürsorge für Mütter – Mental Load: Wo bleibe ich eigentlich?

Wie wir zwischen Mental Load und Haushaltschaos uns selbst verlieren.

Heute möchte ich mal über etwas schreiben, das tiefer sitzt als die ewigen Wäscheberge im Kinderzimmer, und das sich nicht einfach mit dem Besen wegfegen lässt.

In den letzten Wochen habe ich unheimlich viel über Mental Load nachgedacht – diese unsichtbare, endlose Denkarbeit, die uns Mamas oft abends wie ein nasser Sack und völlig erschöpft auf das Sofa sinken lässt. Ihr kennt das alle. Aber neulich, an einem ganz normalen Dienstag, passierte etwas in mir. Ich stand im Flur, habe zum gefühlt zehnten Mal an diesem Tag irgendwelchen Krempel von A nach B geräumt, eine Socke aufgehoben, die Hundeleine entwirrt – und plötzlich traf mich ein Gedanke wie ein Blitzschlag: Wo bin ich eigentlich in diesem ganzen Konstrukt geblieben? Wer ist diese Lisa eigentlich, wenn man das Wort „Mama“ und „Ehefrau“ mal für einen Moment weglässt?

Mental Load: Wo bleibe ich eigentlich?
Mental Load: Wo bleibe ich eigentlich?

Das schleichende Verschwinden der eigenen Person:
Wo bleibe ich eigentlich?

Es passiert ja nicht von heute auf morgen. Es ist ein schleichender Prozess, eine Art emotionale Erosion. Man gründet eine Familie, zieht in eine gemütliche, aber eben auch fordernde 3-Zimmer-Wohnung, der Alltag nimmt Fahrt auf, und ehe man sich versieht, hat man auf dem Papier unzählige Jobs übernommen.

Wir sind die Managerinnen des Familienunternehmens, die Chefeinkäuferinnen, die Seelentrösterinnen bei großen und kleinen Tränen, die Logistikerinnen für Arzttermine und Schulveranstaltungen und ganz nebenbei noch die Chefinnen der Abteilung Gassi-Runde. Wir halten den Laden am Laufen. Tag für Tag.

Aber habt ihr euch mal gefragt, was passiert, wenn all das wegbricht? Wenn mich heute jemand ganz unverblümt fragen würde: „Lisa, was sind eigentlich deine Hobbys? Was machst du unheimlich gerne – und zwar nur für DICH, ganz ohne Nutzen für andere?“ – dann müsste ich erst mal schlucken. Und die ehrliche Antwort wäre wohl erst mal peinliches Schweigen.

Es schleicht sich so verdammt schnell ein:

  • Phase 1: Die eigenen Interessen verblassen, weil das Kind (völlig logisch!) erst mal Priorität hat.
  • Phase 2: Der Haushalt in einer Wohnung, in der man sich ohnehin jeden Quadratmeter hart erkämpfen muss, frisst jede verbleibende freie Minute. Wenn man mal 20 Minuten Ruhe hat, räumt man doch wieder die Spüle leer oder sortiert die Socken.
  • Phase 3: Man ertappt sich dabei, wie man sich nur noch über die Bedürfnisse der anderen definiert. Wir funktionieren perfekt. Aber wir werden dabei unsichtbar im eigenen Leben.

Warum Selbstfürsorge kein Pinterest-Luxus ist, sondern pures Überleben

Ich bin ganz ehrlich zu euch: Ich habe das Wort „Selbstfürsorge“ (oder das neudeutsche, hippe Selfcare) eine ganze Zeit lang richtig gehasst. Wenn man das bei Pinterest oder Instagram eingibt, sieht das immer nach einer perfekten Scheinwelt aus. Da sitzt eine tiefenentspannte Frau im perfekt duftenden Schaumbad, trinkt einen Matcha-Latte, meditiert zwei Stunden vor einer stylischen Pflanze und macht danach Yoga im sanften Morgenlicht.

Da sitze ich dann an meinem Küchentisch, schaue mir das an und denke: In welcher Welt leben diese Menschen? Wer bitteschön hat die Zeit und den mentalen Raum für so was, wenn der Hund gerade mit Schlammpfoten quer durch den Flur geschossen ist, das Kind dringend Hilfe bei den Mathe-Hausaufgaben braucht und die Arbeitsplatte in der Küche schon wieder unter Bergen von Post und Krempel begraben liegt? Dieser Hochglanz-Mist erzeugt doch nur noch mehr Druck und das Gefühl, auch beim Entspannen zu versagen.

Aber ich lerne gerade radikal um. Ich merke, dass mein Akku nicht nur leer ist, sondern die Batterie langsam Schaden nimmt. Selbstfürsorge für uns Mamas bedeutet nicht, dass wir unser Leben in eine Wellness-Oase verwandeln müssen. Es bedeutet etwas viel Härteres und Wichtigeres: Radikale Abgrenzung und das Setzen von Grenzen.

Meine zwei kleinen Anker im Alltag (Völlig unperfekt, aber wirksam)

Ich habe aufgehört, auf das große, freie Wochenende zu warten, das ohnehin nie kommt. Stattdessen baue ich mir jetzt winzige, fast unsichtbare Barrikaden im Alltag auf:

  • Die 10-Minuten-Stille: Wenn ich mit unserem Labrador rausgehe, bleibt das Handy jetzt ganz bewusst in der Jackentasche. Keine Podcasts, keine Sprachnachrichten, keine To-Do-Listen, die ich im Gehen tippe. Nur das Geräusch von Pfoten auf dem Asphalt, das Rauschen der Bäume und das bewusste Atmen der frischen Luft. Zehn Minuten, in denen mein Gehirn einfach mal nichts verarbeiten muss.
  • Ein Hobby komplett ohne Zweck: Ich versuche, mir wieder kleine kreative Räume zu nehmen. Einfach mal ein Kapitel in einem Buch lesen, das nichts mit Erziehung, Haushalt oder Arbeit zu tun hat. Etwas schreiben, einfach nur, weil es Spaß macht. Ohne den Hintergedanken, dass am Ende ein sauberes Zimmer, ein erledigter Einkauf oder ein abgehaktes To-Do dabei herauskommen muss. Es darf einfach mal nutzlos sein.

Das schlechte Gewissen muss über Bord

Wir müssen verdammt noch mal aufhören, uns schuldig zu fühlen, wenn wir für die Familie mal kurz „unsichtbar“ sind. Es ist nicht egoistisch, die Zimmertür zuzumachen und zu sagen: „Ich brauche jetzt 15 Minuten für mich, bitte sprecht mich nur an, wenn es brennt.“ Es ist die einzige Möglichkeit, um für uns selbst wieder sichtbar zu werden.

Denn seien wir mal realistisch: Eine ausgebrannte, dauergenervte und mental völlig erschöpfte Managerin hilft dem besten Familienunternehmen der Welt nicht weiter. Wenn wir uns selbst komplett wegrationalisieren, leidet am Ende das ganze Gefüge.

Jetzt möchte ich von euch wissen – und lasst uns in den Kommentaren mal so richtig ehrlich sein: Wie geht es euch, wenn ihr diesen Text lest? Habt ihr euer „altes Ich“ zwischen Kind, Partner, Job und Haushaltschaos noch gut im Griff, oder sucht ihr es auch manchmal verzweifelt unter den Wäschebergen? Was war das Letzte, das ihr nur für euch getan habt?

Schreibt es mir unbedingt in die Kommentare – lasst uns austauschen und uns gegenseitig daran erinnern, dass wir wichtig sind!

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